Victoria
Fläche: 227.600 km2
Einwohner: 4.500.000
Victoria ist der kleinste Flächenstaat Australiens. Er nimmt nur etwa 3% der gesamten Staatsfläche ein. Der östliche Teil des Landes, den die Ausläufer der Great Dividing Range durchziehen, ist relativ gebirgig, während sonst nur kleinere Gebirgszüge die flachwellige Landschaft auflockern. Zwischen Melbourne und Sydney gab es zu allen Zeiten Rivalitäten um die Frage, wer denn Bundeshauptstadt werden solle. Dieser Streit wurde endgültig beigelegt, als 1913 Canberra zur Hauptstadt erklärt wurde. Victoria ist heute ein großer Erzeuger von Wolle, Getreide, Milchprodukten sowie von Obst und Gemüse. Außerdem besitzt es große Kohlelagerstätten (möglicherweise die größten Kohlevorkommen der Erde) und andere Bodenschätze. Bereits 1920 wurde ein Kraftwerk erbaut, das mit Braunkohle aus dem Trobe-Valley (86km von Melbourne entfernt) betrieben wurde.
Geschichte
Die erste Besiedlung erfolgte im Bereich der Phillip-Bay, an der heute Melbourne liegt. Das Unternehmen scheiterte allerdings und so zogen die Siedeler weiter zum Van Diemens Land, dem heutigen Tasmanien. 1835 unternahm man den Versuch einer zweiten Besiedlung, diesmal erfolgreich. Unter den ersten Siedlern waren viele Bauern, die in der Umgebung von Melbourne große Viehzuchtfarmen aufbauten. 1850 wurde dann die Kolonie Victoria gegründet. Bedingt durch die Goldfunde beim Bau einer Überlandstraße von Melbourne nach Sydney in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl der noch jungen Kolonie rasch an. In kürzester Zeit entstanden im Bereich der Goldfundstätten große Siedlungen (z.B. Bendigo, Ballart und Castlemain). Nach dem Goldrausch blieben viele Goldschürfer in Victoria und versuchten sich dort als Farmer.
Klima
Im Gegensatz zu nur zwei Jahreszeiten in Nordaustralien gibt es in Victoria vier "Seasons". Im Sommer ist es warm mit einer durchschnittlichen Temperatur von 25° C, wobei schnell heranziehende Luftmassen von der Antarktis zu krassen Temperaturstürzen führen können. Im Frühling und Herbst sind die Temperaturen recht angenehm, auch wenn es manchmal regnet. Temperaturen von mehreren Graden unter Null gibt es nur in Hochgebirgslagen der Wintersportgebiete.
Sandro Mannarino
Rüttelnde Straßenbahnen, große Sportveranstaltungen, lebhafte Märkte, gewagte Rennen in der an sich konservativ erscheinenden Metropole zeichnen das Bild der Großstadt, in der fast 3,3 Millionen "Melbournians" leben. Die zweitgrößte Stadt Australiens ist neben Sydney das bedeutendste Witschafts-, Handels- und Bankenzentrum des fünften Kontinents. Melbourne erscheint auf den ersten Blick wenig attraktiv, denn die Innenstadt mit ihrer tristen Architektur lässt wenig Stimmung aufkommen. Erst bei näherem Hinsehen entpuppt sich das, was die Stadt liebenswert macht. Da ist das farbenfrohe Cinatown in einem Teilstück der Little Bourke St., da sind die Straßenbahnen, die ratternden grünen und die fast lautlos dahin schwebenden orange-beigen, die täglich Tausende zu ihrer Arbeit bringen, da ist der City Square mit seinem Wasserspiel und dem Live-Entertainment zur Mittagspause, das Victoria Arts Center, das seinesgleichen in Australien kaum findet, der Jarra-River, der sich an der Innenstadt vorbei schlängelt und vielen Stadtteilen eine besondere Note verleiht sowie die weitläufigen Parks, die von der Innenstadt leicht zu Fuß zu erreichen sind. Um den rollenden Verkehr in den Griff zu bekommen, haben die Melbournians besondere Maßnahmen die wie Erhöhung der Parkgebühren und die Errichtung von mehreren Fußgängerzonen, getroffen. Um die Innenstadt zu entlasten, sollen Sperrgebiete für Autos eingerichtet werden, in denen weniger als eine bestimmte Zahl von Insassen sitzen.
Melbournes Sehenswürdigkeiten sind über die ganze Stadt verteilt, sodass sie sich schlecht entlang eines Rundweges aufreihen lassen. In der Roussel St., gegenüber der Polizei befindet sich ein zwischen 1841 und 1845 erbautes Gefängnis, von dem nur noch der Eingang und ein Seitenflügel im ursprünglichen Zustand erhalten sind. Eine außergewöhnliche Berühmtheit hat das Gefängnis dadurch erlangt, dass hier 104 zum Tode Verurteilte hingerichtet wurden. Darunter war auch der legendäre Bushranger Ned Kelly. Das restaurierte Gebäude hinterlässt bei vielen Besuchern einen etwas getrübten Eindruck, stellt man sich vor, wie viele Menschen hier ihr Leben verloren.
Sandro Mannarino